Militärsonar ließ
Wale stranden
10.10.2003, Spiegel
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Kurz nach einem
Marinemanöver strandeten 14 Wale an den kanarischen Inseln und
verendeten qualvoll. Forscher haben die Kadaver untersucht und
einen lange gehegten Verdacht bestätigt: Das Sonar von
Kriegsschiffen kann Wale töten.
Die im September 2002 gestrandeten Wale zeigten Symptome der zuvor
bei den Meeressäugern unbekannten Taucherkrankheit, berichten die
britischen und spanischen Forscher im Fachmagazin
"Nature". Auf Fuerteventura und Lanzarote seien
insgesamt 14 Wale nur wenige Stunden nach einem Marinemanöver
unter spanischer Führung gestrandet, bei dem auch ein so
genanntes Mittelfrequenz-Sonar eingesetzt worden sei, schreiben
Paul Jepson vom Institute of Zoology in London und seine Kollegen
von der Universität Las Palmas auf Gran Canaria. Bei der
Obduktion der Meeressäuger fanden die Wissenschaftler Gasblasen
in den Blutbahnen sowie Blutungen in lebenswichtigen Organen.
Die Taucher- oder Caisson-Krankheit wird von einem zu großen Gefälle
zwischen dem Außendruck im Wasser und dem Innendruck in Gewebe
und Blut ausgelöst. Kommt ein Taucher zu schnell an die Oberfläche,
wird der im Blut gelöste Stickstoff frei und kann Luftembolien
sowie lokale Gewebeschäden verursachen. Zu den Folgen gehören Lähmungen,
Krämpfe, neuropsychologische Störungen, Herz-Kreislauf- oder
Atembeschwerden und starke Schmerzen in Muskeln und Knochen.
Wie genau die akustischen Signale die Gasbildung im Blut der Wale
auslösen, sei noch unklar, erklären die Wissenschaftler. Möglicherweise
führen sie zu einem veränderten Verhalten der Wale und damit zu
einem zu schnellen Auftauchen. Bei den Verletzungen könne es sich
jedoch auch um einen direkten physikalischen Effekt des Sonars
handeln. Künftige Versuche sollen den genauen Zusammenhang aufklären.
Die Forscher fordern die Verschärfung von Umweltbestimmungen, um
die Gefahr für Wale durch den Einsatz von Sonar unter Wasser zu
minimieren. Erst im August hatte eine Richterin in San Francisco
der US-Marine Tests mit einem besonders starken Sonarsystem
untersagt, um Wale und anderen Meerestieren nicht zu gefährden.
Die Pläne für Schallwellenprojekte würden Wale, Tümmler und
Fische gefährden und gegen Tierschutzgesetze verstoßen, hatte es
in dem Urteil geheißen.
Tierschützer machen seit langem geltend, dass Meeressäuger durch
Sonar-Tests Orientierungsprobleme mit gefährlichen Auswirkungen
auf die Futtersuche bekommen. Eine weitere Folge seien schwere
Verletzungen wie etwa Geweberisse im Hirn- und Ohrenbereich mit tödlichen
inneren Blutungen. Dies untermauert auch die jetzt veröffentlichte
Studie.