Schleppnetzfischer
bedrohen Delfine
21.
Jan. 2004
Zerstörerische
Fischereipraktiken bringen Delfine im Nordostatlantik an den Rand
des Aussterbens. Dies geht aus dem Bericht "The Net Effect"
hervor, der von der WDCS, Whale and Dolphin Conservation Society,
für Greenpeace verfasst und am Mittwoch veröffentlicht wurde.
Das Greenpeace-Schiff "Esperanza" verlässt heute
London, um Schleppnetzfischer zu stellen. An Bord der
"Esperanza" sind auch Wissenschaftler der WDCS, die das
Ausmaß des Beifangs dokumentieren werden.
"Beifang
ist die größte Bedrohung für Delfine und Schweinswale",
sagt Thomas Henningsen, Meeresexperte von Greenpeace: "Die
Fischerei- Minister müssen dieses tausendfache Sterben endlich
beenden. Der Beifang muss auf Null gesenkt werden."
Mehr
als zehntausend Kleinwale verenden jährlich in Fischernetzen in
europäischen Gewässern. Besonders betroffen sind der Gemeine
Delfin und der Schweinswal aber auch Atlantische Weißseitendelfine,
Große Tümmler und Grindwale. Jeden Winter werden Hunderte toter
Delfine und Schweinswale an europäische Strände gespült. Die
Fischer, die Speisefische wie Seebarsch, Makrele oder Thunfisch
fangen, werfen die Säugetier-Kadaver meist verstümmelt zurück
ins Meer. Wissenschaftler der Internationalen Walfangkommission
schätzen, dass weltweit jährlich 300.000 Wale und Delfine in
Fischernetzen sterben.
Ali
Ross, Fischereiexpertin der WDCS: "Die Schleppnetzfischerei
gefährdet das Überleben zahlreicher Populationen und Arten und
verursacht darüber hinaus auch unermessliches Leid. Die
Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dürfen nicht länger
tatenlos zusehen, sondern müssen umgehend aktiv werden, um das
Kleinwalsterben zu beenden".
Die
EU hat das Problem erkannt, seit Jahren aber keine effektiven Maßnahmen
eingeleitet. Eine Initiative der EU-Kommission liegt seit Juli
2003 vor. Der darin geplante Einsatz von akustischen
Scheuchvorrichtungen (Pingern) muss überwacht werden. Nur so
lassen sich die Wirksamkeit dieser Geräte sowie mögliche schädliche
Auswirkungen auf die Tiere feststellen. Auch der von der EU
vorgeschlagene Einsatz von Beobachtern an Bord der Fangflotten
greift zu kurz. Die Anzahl der Beobachter, die den Beifang von
Walen und Delfinen erfassen sollen, ist zu gering.
Auch
die nächste UN-Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD)
muss ihren Beitrag leisten, den Beifang zu verringern und
Meerestiere zu schützen. Greenpeace fordert die Vertreter der CBD
auf, Meeresschutzgebiete einzurichten, in denen sich die Tiere
erholen und ungestört vermehren können. Die CBD tagt vom 9.-20.
Februar 2004 in Malaysia.