Mit zerstörerischen
Fangmethoden bedroht sich die Fischerei selbst
Massenhafte ungewollte Beifänge und die Verwüstung von Lebensräumen
durch Schleppnetze und andere zerstörerische Fangmethoden
bedrohen den Fortbestand
der Fischerei.
Denver (dpa) - Fast ein Viertel aller gefangenen Meerestiere wird
tot oder sterbend wieder ins Wasser geworfen, weil die Tiere
ungewollt ins Netz gegangen sind. Auf der
weltgrößten Wissenschaftstagung in Denver (US-Staat Colorado)
forderten Forscher die Fischindustrie eindringlich auf, besser
spezialisierte und weniger zerstörerische Fanggeräte zu
verwenden.
Massenhafte ungewollte Beifänge und die Verwüstung von Lebensräumen
durch Schleppnetze und ähnliches Gerät bedrohten den Fortbestand
der Fischerei.
Allein für die USA belaufe sich die Bilanz der Beifänge auf rund
eine Million Tonnen für das Jahr 2000, darunter vom Aussterben
bedrohte Meeresschildkröten, Delfine, Haie und Seevögel.
«Angesichts des dokumentierten Rückgangs der weltweiten Fischfänge
ist diese Art der Verschwendung inakzeptabel», sagte Larry
Crowder von der Duke University in
Durham (North Carolina) auf der Jahrestagung der Amerikanischen
Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft (AAAS). Viele der
verwendeten Fanggeräte könnten den gewünschten Fang nicht von
anderen Meerestieren trennen, die zu klein, nicht zu
verkaufen oder zu wenig profitabel sind, um sie an Land zu
bringen.
Die größte Zerstörung richten nach übereinstimmendem Urteil
von Fischern, Umweltschützern und Wissenschaftler die
Grundschleppnetze an. Die Netze haben ein
Geschirr, das über den Seeboden gezogen wird, dabei den
Meeresgrund aufwühlt
und Korallenriffe zerschlägt. Diese Lebensräume seien jedoch von
elementarer Bedeutung für das Nachwachsen neuer
Fischgenerationen. Seien sie erst zerstört,
wackele die gesamte Nahrungspyramide.
«Der Schaden auf unserem Ozeanboden ist möglicherweise großflächiger
und schlimmer als das Abholzen des tropischen Regenwaldes», sagte
Elliott Norse vom Marine Conservation Biology Institute (MBI) in
Redmond (Washington).
Die Grundstellnetze in deren engen Maschen sich Fische mit ihren
Kiemen verfangen, und Hochsee-Schleppnetze rangierten auf den Plätzen
zwei und drei der Verursacherliste. Am unteren Ende der Skala
stehen Ringwadennetze zum Einkreisen von Tunfischen und mit Haken
bestückten Fangleinen, deren ökologische Folgen als relativ
gering betrachtet wurden.
Oftmals würden schon kleine Veränderung reichen, um das Problem
des Beifangs effektiv zu reduzieren, erklärte Lance Morgan vom
MBI. An den Hauptleinen eines
Schleppnetzes angebundene im Wind flatternde Bänder würden
beispielsweise
Seevögel davon abschrecken, nach im Netz zappelnden Fischen zu
tauchen und dabei selbst gefangen zu werden.