Meeresschutz:
Russland blockiert Schutz
der Ostsee vor Schiffskatastrophen
Mit einem Eklat hat am Mittwoch in Bremen die internationale
Meeresschutzkonferenz begonnen.
Bremen (dpa) - Russland blockierte in der Helsinki-Konferenz (Helcom)
der neun Ostsee-Anrainer einen besseren Schutz der Ostsee vor
Schiffskatastrophen. Die russische Delegation habe überraschend
eine Ausweisung dieses Meeres als
besonders schutzwürdig (PSSA-Gebiet) abgelehnt, sagte eine
Helcom- Sprecherin.
Damit sei das zentrale
gemeinsame Thema der Ostsee-Anrainer gescheitert, kritisierten
Umweltorganisationen.
Die Einstufung als PSSA-Gebiet ist Voraussetzung, um zum Beispiel
in internationalen Gewässern eine Lotsenpflicht für Schiffe
durchzusetzen. Russland habe aus finanziellen Gründen auch gegen
ein baldiges Verbot so genannter
Einhüllen-Tanker votiert, hieß es. Statt eines umgehenden
Verbotes, wie von
acht der neun Helcom-Mitglieder gefordert, sollen die Schiffe noch
bis zum Fristende der Internationale Meeresorganisation (IMO) im
Jahr 2015 fahren dürfen. Russland gilt als größter Erdöl-Transporteur
auf der Ostsee.
Ohne Ergebnis vertagte sich am Mittwoch die parallel zur Helcom
tagende Oslo-Paris-Kommission (Ospar) der
Nordostatlantik-Anrainer. Großbritannien habe
das generelle Verbot abgelehnt, radioaktive Abwässer in die See
einzuleiten.
Stattdessen boten die Briten einen vorübergehenden Stopp für
neun Monate an, teilten Konferenzbeobachter mit.
Das Verbot wird insbesondere von Fischereinationen wie Norwegen
gefordert.
Die Debatte in der
Ospar soll an diesem Donnerstag fortgesetzt werden.
Nach den getrennten Sitzungen tagten die Umweltminister der
Helcom- und Ospar-Staaten am Abend erstmals gemeinsam.
Dabei rief Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) zu einer
stärkeren Zusammenarbeit der Nord- und Ostsee-Anrainer auf.
Der Schutz der Meere liege im gemeinsamen Interesse und müsse
auch das Mittelmeer und das Schwarze Meer einschließen. Die Übereinkommen
beider
Kommissionen seien zwar ein wichtiges regionales
Integrationsmittel. Von
ausschlaggebender Bedeutung sei jedoch eine Zusammenarbeit mit der
Europäischen Union und den Vereinten Nationen.
Trittin kündigte vor Konferenzbeginn an, dass Deutschland noch in
diesem Jahr als erstes europäisches Land Meeresschutzgebiete außerhalb
der Zwölf-Seemeilen-Zone ausweisen werde. In diesen Gebieten soll
die Meeresnutzung
erheblich eingeschränkt werden, um Tiere und Pflanzen zu schützen.
Einzelheiten würden in Kürze mit den Küstenländern abgestimmt,
hieß es.